Tibetische Medizin

astrea Apothekenmagazin • 12. Mai 2026

Das Wissen vom Heilen

Alltagstauglich, sanft und konsequent: Die Tibetische Medizin schlägt eine Brücke von der alten Tradition in die moderne Welt.


In der Tibetischen Medizin halten drei Grundkräfte die Gesundheit in Bewegung: Bewegung (tib. Lung) – Atem, Nerven, innerer Antrieb; Wärme (Tripa) – Verdauungskraft, Energie und Dynamik; Stabilität/Feuchtigkeit (Beken) – Struktur, Halt und Geschmeidigkeit. Kommt dieses Zusammenspiel aus dem Lot, zeigt sich das zuerst in kleinen Alltagszeichen: weniger Energie, schwerer Bauch, unruhiger Schlaf, Nervosität oder Trägheit.


In der Anwendung stützt sich die Lehre auf zwei Pfeiler: alltagstaugliche Empfehlungen zu Geschmack und Thermik (wärmend/kühlend) sowie naturbelassene Vielstoff‑Kräutermischungen, die sanfte Reize setzen.


Geschmack und Thermik


Geschmack ist Werkzeug: Bitteres und Herbes unterstützen Verdauung und Ausscheidung sowie zügeln oft den Heisshunger auf Süsses; Scharfes belebt und hilft, Üppiges besser zu verarbeiten; Saures und Salziges mit Mass geniessen – sie können die innere Hitze steigern. Wichtig: Nicht alle vertragen identische Empfehlungen. Wer seinen Konstitutionstyp kennt (mehr Lung, Tripa oder Beken), wählt gezielt Lebensmittel, Zubereitung und Tagesrhythmus.


Tag und Nacht


Tagsüber dominieren Aufnahme und Umsetzung von Nährstoffen. Leber und Galle arbeiten dabei Hand in Hand mit dem Stoffwechsel; leichte, warme Mahlzeiten mit bitteren Komponenten (zum Beispiel saisonale Bittergemüse) unterstützen die Fettverdauung. Nachts stehen Reinigung, Ordnung und Regeneration im Vordergrund. Ein frühes, leichtes Abendessen, weniger digitale/kulinarische Reize und ausreichend Schlaf geben der Leber Raum für ihre nächtlichen Pflegeprozesse – der Organismus dankt es mit mehr Klarheit am Morgen.


Im Frühling sanft beleben


Der Frühling ist die klassische Phase für Aktivierung und Leichtigkeit. Bittere/herbe Gegenspieler zu süss und schwer, mehr Wärme in der Mitte (das «Verdauungsfeuer») und regelmässige Bewegung im Freien helfen, den Stoffwechsel wieder in Schwung zu bringen – behutsam und alltagstauglich.


Welcher Typ bin ich?


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Alltagstipps – einfach anfangen


  • Warm trinken: heisses Wasser oder Kräutertee über den Tag verteilt.
  • Warm essen: Suppen, Eintöpfe, gedämpftes Gemüse statt grosse Berge kalter Rohkost.
  • Bitter und herb einbauen: Chicorée, Löwenzahn, Artischocke – klein beginnen, konsequent bleiben.
  • Bewegung mit Balance: 30 bis 45 Minuten zügig gehen, Rad fahren oder Yoga; Regenerationsfenster gehören dazu.
  • Reize reduzieren: spätes Essen, viel Zucker, Alkohol und zu viel Koffein belasten den Organismus überproportional.


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