Mutterschaft

astrea Apothekenmagazin • 30. September 2025

Tipps für Stillzeit & Babynahrung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass alle Babys sechs Monate lang nur gestillt werden sollen – eine Herausforderung oder doch nicht?


Die Pädiatrie Schweiz (SGP) hat eine flexiblere Wortwahl bei ihren Empfehlungen gewählt. Demnach ist ausschliessliches Stillen bis zum sechsten Monat ein wünschenswertes Ziel. Beikost kann frühestens ab dem fünften Lebensmonat und soll spätestens am Anfang des siebten Lebensmonats gegeben werden.


«Stillen ist kein Alles-oder-nichts: Teilstillen bringt ebenfalls wertvolle Vorteile fürs Baby.»


Tipps für die Milchbildung


Stillenden Frauen wird geraten, täglich mindestens zwei Liter zu trinken, um problemlos die Wassermenge zu ersetzen, die mit der Muttermilch abgegeben wird. Spezielle Stilltees enthalten häufig Anis und Kümmel, die einen milchtreibenden Effekt haben. Bis vor Kurzem war auch Fenchel enthalten, doch das europäische Komitee für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) empfiehlt, vorläufig auf Fenchelprodukte in der Stillzeit zu verzichten, bis mehr Daten vorliegen, um die Sicherheit des Inhaltsstoffs Estragol besser zu bewerten.


Ernährung in der Stillzeit


Während der Stillzeit ist der tägliche Energiebedarf eindeutig erhöht. Praktisch: Zusätzlich werden in der Schwangerschaft gebildete Fettreserven abgebaut. Es ist wichtig, auf gute Eiweisslieferanten zu achten – denn durch das Stillen ist der tägliche Eiweissbedarf um etwa 15 Gramm höher. Und wie sieht es mit Kaffee aus? Koffein kann in die Muttermilch übergehen, doch gegen einen massvollen Konsum von ein bis zwei Tassen Kaffee täglich (unter 200 mg Koffein) ist nichts einzuwenden.


Hilfe bei wunden Brustwarzen


Vor allem zu Beginn der Stillzeit treten häufig wunde Brustwarzen auf, bis sich das Gewebe an die neue Herausforderung gewöhnt hat. Was hilft? Überprüfen Sie die Stillposition, da eine ungünstige Haltung die Brustwarze belasten kann – um an der Brust zu saugen, sollte der Säugling seinen Kopf nicht drehen müssen. Zudem sollte das Baby nicht nur die Brustwarze, sondern einen grossen Teil des Warzenhofs mit seinem Mund umfassen. Zur Pflege nach dem Stillen eignet sich eine Lanolinsalbe. Zudem gibt es im Handel kühlende Gelpads, die wunde Brustwarzen beruhigen.


Unangenehmer Milchstau


Bei einem Milchstau sind bestimmte Stellen oder die gesamte Brust hart. Bei Druck kann sich dies schmerzhaft anfühlen. Ursachen gibt es viele: zu lange Pausen zwischen dem Stillen, enge Kleidung, wunde Brustwarzen oder Stress. Vor allem häufiges Entleeren der Brust ist jetzt wichtig – eventuell zwischendurch die Milch abpumpen oder ausstreichen. Vor dem Stillen kann ein warmer, feuchter Waschlappen aufgelegt werden, damit die Milch leichter austritt. Nach dem Stillen können kühlende Umschläge die neu zu produzierende Milchmenge senken. Dazu wird kühler Quark auf ein Küchenrollenpapier gestrichen und so auf die Haut gelegt. Falls sich die Brust entzündet und warm anfühlt, ist es ratsam, eine Fachperson zu kontaktieren.


Milch aus der Flasche


Neben der Beikost brauchen Babys zwischen sechs Monaten und einem Jahr etwa 500 ml Milch pro Tag. Für den Fall, dass Stillen nicht (mehr) möglich ist, kommt die Säuglingsmilchnahrung heute immer besser an die Nährstoffzusammensetzung der Muttermilch heran – nur die Abwehrstoffe können noch nicht ersetzt werden. Übrigens: Bei Säuglingen mit einer sensiblen Verdauung kann Flaschennahrung auf Ziegenmilchbasis eine gute Alternative sein.


Neue Geschmackserlebnisse


Der erste Breilöffel ist ein ganz besonderer Moment! Am besten wird mit einem Mittagsbrei aus Gemüse gestartet. Am häufigsten wird wegen des süsslichen Geschmacks zum Karottenbrei gegriffen. Klappt dies gut, wird nach einer Woche etwas Kartoffel und Rapsöl zum Gemüse gemischt. Nach einer weiteren Woche kann dieser Mittagsbrei mit Fleisch ergänzt werden.


Im zweiten Monat der Beikosteinführung wird ein Milch-Getreide-Brei mit Früchtemus empfohlen – häufig wird er als sättigende Mahlzeit am Abend gegeben. Einen Monat später wird oft am Nachmittag ein weiterer Imbiss aus einem milchfreien Getreide-Obst-Brei eingeführt.

So kann das Baby gut gestärkt die Welt erobern.

Aktuelles aus Ihrer Apotheke

von astrea Apothekenmagazin • 14. Oktober 2026
Mit dem Jahresbeginn rollt in der Regel die saisonale Grippewelle übers Land. Aber ab wann spricht man überhaupt von einer Grippewelle? Was unterscheidet die «echte» Grippe von einem grippalen Infekt? Ein Hüsteln hier, ein Niesen da: Wenn draussen eisige Kälte herrscht und drinnen die Heizungsluft für trockene Schleimhäute sorgt, verfolgen uns Grippe- und Erkältungsviren auf Schritt und Tritt. Über winzige Tröpfchen entweichen sie erkrankten Personen beim Niesen, Husten oder Sprechen und verteilen sich auf die Umgebung. Für kurze Zeit verbleiben sie in der Luft, von wo sie durchs Einatmen direkt übertragen werden. Auf umliegenden Oberflächen überleben sie zudem mehrere Stunden und gelangen durch die Berührung mit den Händen über die Schleimhäute in den Körper der nächsten Person. Überschreitet die erfasste und auf die Bevölkerung hochgerechnete Anzahl an Grippeverdachtsfällen einen festgelegten Schwellenwert, ist von einer Grippewelle die Rede. Der Unterschied zwischen Erkältung und Grippe Nun hat man sie also, diese blöde Erkältung. Oder ist es doch die Grippe? Die Symptome einer Erkältung, auch grippaler Infekt genannt, und die der «echten» Grippe sind zwar ähnlich, beide Erkrankungen haben jedoch ansonsten nichts miteinander zu tun. Während sich eine Erkältung normalerweise mit Halsschmerzen und Fliessschnupfen ankündet, schlägt die Grippe mit plötzlich eintretendem Fieber, starker Abgeschlagenheit und Kopf- und Gliederschmerzen unerwartet zu. Als Auslöser einer Erkältung kommen über 200 verschiedene Erkältungsviren infrage. Bei der Grippe hingegen ist der Fall klar: Der Übeltäter heisst Influenzavirus. Dieses wird unterteilt in die Typen A, B und C. Die Typ-A-Viren sind für den Menschen die gefährlichsten und sorgen für die meisten Grippefälle. Sie werden anhand der Oberflächenmerkmale in Subtypen eingeteilt, wobei aktuell die Influenza-A-Subtypen A(H1N1)pdm09 und A(H3N2) dominieren. Typ-B-Viren kommen etwas seltener vor, während Typ-C-Viren unter Menschen kaum verbreitet sind. Nationale Überwachung von Grippeausbrüchen Grippeviren sind hoch ansteckend. Um eine Epidemie frühzeitig zu erkennen, wird die Grippe in der Schweiz durch mehrere Meldesysteme überwacht. So sind Laboratorien verpflichtet, dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) sämtliche positiven Influenza-Nachweise zu melden. Da aber nicht bei allen grippeähnlichen Beschwerden gleich ein Arztbesuch nötig ist und auch nicht alle mit Grippeverdacht in der Arztpraxis getestet werden, können diese Zahlen die aktuelle Grippesituation kaum ausreichend abbilden. Aus diesem Grund übernimmt das Meldesystem «Sentinella» eine wichtige Rolle bei der Überwachung von Grippeausbrüchen. Rund 180 Praxen melden freiwillig und anonym grippeähnliche Krankheits- und Verdachtsfälle an das BAG. Ergänzend dazu werden im Rahmen des spitalbasierten Meldesystems «CH-SUR» Daten zu Hospitalisierungen im Zusammenhang mit Influenza erfasst. Die Grippewelle Die aus den Meldesystemen gewonnenen Zahlen ergeben zusammen einen guten Überblick darüber, wie viele Grippefälle gerade die Schweiz heimsuchen. Da sich diese während der Wintermonate häufen, wird zwischen der Kalenderwoche 40 eines Jahres und der Kalenderwoche 20 des Folgejahres von der Grippesaison gesprochen. Überschreitet die erfasste und auf die Bevölkerung hochgerechnete Anzahl an Grippeverdachtsfällen einen festgelegten Schwellenwert, ist von einer Grippewelle die Rede. Eine solche ist meist zwischen den Monaten Dezember und März zu beobachten. Für die aktuelle Grippesaison 2023/24 wurde der Schwellenwert auf 68 entsprechende Arztkonsultationen pro 100 000 Einwohnerinnen und Einwohner festgelegt. Nicht immer harmlos Während eine herkömmliche Erkältung für gesunde Personen keine Gefahr darstellt, verläuft die «echte» Grippe nicht immer harmlos. Influenzaviren breiten sich öfter auf Lunge, Herz und Gehirn aus als andere Viren. Zudem schwächt die Grippe das Immunsystem stark, was eine sekundäre Infektion mit Bakterien erleichtert. Komplikationen in Form einer Lungenentzündung, Ohrenentzündung oder entzündeter Bronchien sind mögliche Folgen, die auch lebensbedrohlich verlaufen können. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Schwangere, Personen mit chronischen Erkrankungen und frühgeborene Kinder. Grippebedingte Komplikationen führen jährlich zu rund 1000 bis 5000 Hospitalisationen sowie zu mehreren Hundert Todesfällen. Viel Ruhe und ausreichend Flüssigkeit Wer an einer Grippe erkrankt, gehört ins Bett. Nun steht die Linderung der Symptome und die Förderung der Genesung im Mittelpunkt. Dabei helfen vor allem viel Ruhe, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und allenfalls in der Apotheke erhältliche Medikamente zur Reduktion der Beschwerden. Antivirale Arzneimittel, die direkt auf das Virus wirken und dessen Vermehrung hemmen, können dazu beitragen, die Dauer und Schwere der Grippe zu verringern und Komplikationen zu verhindern. Sie kommen zum Einsatz, wenn ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf besteht, und werden vom Arzt oder der Ärztin verschrieben. Wichtig ist, dass eine entsprechende Therapie innert 24 bis 48 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome begonnen wird, da sie dann den grössten Nutzen aufweist. Und Antibiotika? Bei der Erkältung wie auch der Grippe handelt es sich um eine Infektion der oberen Atemwege, die hauptsächlich durch Viren verursacht wird. Antibiotika wirken hingegen nur bei Krankheiten, bei denen Bakterien im Spiel sind – weshalb sie bei einer einfachen Erkältung oder Grippe wirkungslos sind. Vorbeugen ist besser als heilen Die einfachste und wirksamste Möglichkeit, sich vor Grippe zu schützen, ist die jährliche Grippeimpfung. Mit nur einem kleinen Pieks reduziert sie das Risiko, sich selbst sowie seine Mitmenschen mit der saisonalen Grippe anzustecken und vermindert die Gefahr möglicher Komplikationen. Da sich Influenzaviren von Jahr zu Jahr verändern können, muss die Grippeimpfung jedes Jahr angepasst und aufgefrischt werden. Der Impfstoff besteht dabei aus Bruchstücken abgetöteter Influenzaviren, die eigens dafür in Hühnereiern gezüchtet werden müssen. Dieses Verfahren braucht Zeit. Aus diesem Grund versucht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits im Frühling eine Prognose zu erstellen, welche Viren für die Grippefälle im darauffolgenden Winter verantwortlich sein könnten. Wie hoch der Schutz der jährlichen Grippeimpfung schlussendlich also wirklich ist, hängt davon ab, wie gut diese Voraussage mit den tatsächlich zirkulierenden Erregern übereinstimmte.
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